Der Beratervertrag zwischen der Türkei und McKinsey

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Der Beratervertrag zwischen der Türkei und McKinsey

03. Oktober 2018 - 21:42
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Das vorherrschende Thema diese Woche in der Türkei. Opposition und sogar regierungsfreundliche Kreise sparen nicht mit der harschen Kritik.

Kommentar von Deutsch-Türkische Akademiker

Der Beratervertrag zwischen der Türkei und McKinsey

Das vorherrschende Thema diese Woche in der Türkei war die Ankündigung der Regierung, die Finanzen des Landes durch McKinsey durchleuchten zu lassen. Opposition und sogar regierungsfreundliche Kreise üben harsche Kritik. Doch wer ist McKinsey?

McKinsey ist eines der größten und renommiertesten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt. Zu den Kunden zählen neben den größten Konzernen der Welt auch sehr viele Staaten, die ihren Haushalt durchleuchten lassen. McKinsey beschäftigt Spezialisten die defizitäre Bereiche in Konzernen (Staaten) und den Kostenstellen ermitteln und das Potential der Einnahmesteigerung prüfen. Sie hat lediglich eine beratende Funktion und stellen den Auftraggebern im Anschluss eine Rechnung für ihre Dienste. Sie ist eine durch und durch amerikanisches Unternehmen, allerdings mit Partnern und Anteilseignern auf der ganzen Welt.

Die Türkei hat nun mit McKinsey einen Beratungsvertrag abgeschlossen. Alle drei Monate werden Experten anreisen und sämtliche Ministerien auf ihre Effizienz und ihre eingesetzten Budgets durchleuchten.

Die Vor- und Nachteile möchten wir aufschlüsseln.

Positiv

  • McKinsey hat eine weltweit hervorragende Reputation. Der Bericht der im Anschluss veröffentlicht wird, ist für potentielle Investoren glaubwürdig. Die Türkei möchte damit Gerüchten entgegenwirken, dass die eigenen veröffentlichen Zahlen, wie z.B das Wirtschaftswachstum, manipuliert sind. Hier geht die Türkei mit „Transparenz“ in die Offensive.
  • Die Türkei bekräftig ihre Position als ein Bestandteil des globalen Finanzsystems. Gerüchten der Isolierung oder der Abschottung wird entgegengewirkt.
  • Es ist immer förderlich einen zweiten Blick auf eine komplexe Struktur werfen zu lassen, um der eigenen „Betriebsblindheit“ entgegenzuwirken und Potentiale zu entdecken, auf die man selber nicht kommt.

Negativ

  • Die türkische Regierungsrhetorik in den letzten Monaten nach Beginn des Währungsverfalls deutete klar und deutlich auf einen spekulativen Angriff mit amerikanischen Hintergrund. Die Sanktionen die aufgrund der „Brunson-Krise“ von US-Seite gegen die Türkei erlassen wurden, haben den Verfall der Währung beflügelt. Hier stellt sich natürlich jedem neutralen Beobachter die Frage ob die Lösung der eigenen Probleme, die angeblich von US-amerikanischer Seite verursacht bzw. katalysiert wurde, mit Hilfe eines Unternehmens herbeigeführt werden kann, dass mit zu den Symbolen des amerikanischen Kapitalismus zählt. Hier ist ein klarer Widerspruch ersichtlich.
  • Die türkische Opposition kritisiert - zurecht - das das eigene Statistikamt "Devlet Denetleme Kurulu" (analog zum Bundesrechnungshof in Deutschland) nicht mit ausreichend Informationen und Zahlen beliefert wird um ihre eigene Arbeit zu gewährleisten. Jetzt wird eine ausländische Firma für viel Geld beauftragt , um die Aufgabe einer staatlichen Institution zu übernehmen. Auch hier ist ein klarer Widerspruch ersichtlich.
  • Es ist nicht sonderlich glaubwürdig, die eigene Bevölkerung aufzufordern amerikanische Produkte möglichst zu meiden aber im gleichen Zug einen staatlichen Dienstleistungsvertrag mit dem einem amerikanischen Unternehmen zu unterzeichnen, der den türkischen Steuerzahler viele Millionen Dollar kosten wird.

Fazit

Es ist noch einmal klar geworden, dass die Türkei Teil des globalen Finanzsystems ist, und sich den Spielregeln des Weltmarktes - ob positiv oder negativ - anpassen muss und auch gewillt ist das zu tun. Eine populistische Rhetorik - ob berechtigt oder nicht - bringt leider eine Wirtschaft weder weiter noch löst sie Probleme welcher Art auch immer. Erfreulich ist allerdings das Signal, das die Türkei damit ausstrahlt und die eigene These damit bekräftigt, dass die türkische Wirtschaft fundamental robust ist und derartige Krisen absorbieren kann, und man auch bereit ist, das der ganzen Welt durch einen objektiven McKinsey-Bericht zu beweisen.

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