Türkische Lira wird gezielt attackiert

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Türkische Lira wird gezielt attackiert

12. Juni 2018 - 18:30
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Der türkische Staatspräsident Erdogan sprach immer wieder von der ausländischen "Zinslobby", die es auf die Türkei abgesehen hätte und mit der Währung spekuliere. Jetzt bestätigt ein Experte der Rabobank laut der Deutsche Wirtschafts-Nachrichten eine gezielte Attacke auf die Türkische Lira.

Türkische Lira wird gezielt attackiert

Ankara / TP - Die türkische Lira steht im Verhältnis zum US-Dollar weitaus mehr unter Druck als der Durchschnitt der Währungen in den anderen aufstrebenden Wirtschaftsländern wie Argentinien oder Mexiko. Das erste mal begann diese Verhältnis aus den Fugen zu geraten, als im April 2016 der damalige Regierungschef Ahmet Davutoglu zurücktrat und Binali Yildirim die Amtsgeschäfte anführen sollte. Zu dieser Zeit wurde auch die Einführung der Präsidialdemokratie per Volksentscheid signalisiert. Seither zeichnet sich der Verfall der Lira ungewöhnlich hart.

Dennoch hat der rasante Verfall der türkischen Lira es nicht vermocht, das türkische Bruttoinlandsprodukt nachhaltig ins Stocken zu bringen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat der türkische BIP im ersten Quartal sogar um 7,4 Prozent zugenommen, so das türkische Statistikamt. Die Wirtschaftszeitung Financial Times berichtet, dass der private Konsum um 10 Prozent gestiegen ist, was die Angaben der Ökonomen, die bislang von einer bevorstehenden Flaute sprachen, konterkarriert. Die von Reuters befragten Ökonomen hatten lediglich 7 Prozent vorausgesagt.

Probleme bereitet nachwievor der hohe Handelsbilanzdefizit, die erreichte im April rund 5,5 Milliarden US-Dollar. Die türkische Zentralbank versuchte indes in den letzten Wochen, den Verfall der Lira zu stoppen. Gleich zwei deutliche Zinsanhebungen haben zumindest die Lira derzeit stabilisiert, doch der Wertverlust gegenüber dem US-Dollar beträgt im Verhältnis zum Vorjahr rund 15,4 Prozent. Laut Forbes ist der Währungsverfall auf Attacken von Spekulanten zurückzuführen, was zunächst nichts aussergewöhnliches sei. Aussergewöhnlich sei es jedoch, dass die Türkei unter anderem gegenüber Argentinien dreimal so viel Devisenreserven besitze, die Inflationsrate und der Zinssatz weit unter Argentinies liege, so Forbes weiter. Das bedeutet im Kern, dass die türkische Zentralbank anhaltende Spekulationsattacken weitaus besser abwehren kann, als Argentinien. Das bedeutet auch, dass die Türkei weniger auf den Internationalen Währungsfond angewiesen ist, als Argentinien oder Mexiko. 

Attacken von Spekulanten hatten bereits 2016 zu einem Währungsverfall geführt, wie man es derzeit beobachten kann. Der türkische Staatspräsident Erdogan sprach seit 2016 immer wieder von der ausländischen "Zinslobby", die es auf die Türkei abgesehen hätte und mit der Währung spekuliere. Erdogan hatte 2016 angegeben, dass die Türkei Probleme mit der Wirtschaft habe, aber die Regierung entsprechende Gegenmaßnahmen treffen werde, so u.a. gegenüber der Hürriyet. Schenkt man der Eurasia Future, einem Magazin, wie die Deutsche Wirtschafts-Nachrichten berichtet, Glauben, so hat die türkische Wirtschaft derzeit unter dem anhaltenden Wirtschaftswachstum keine gravierenden Probleme zu erwarten, auch und vor allem wenn die Lira geschwächt wird. Es seit laut Eurasia Future ein Segen, wenn die türkische Lira geschwächt sei, schließlich würde es Investoren anlocken, die Lira würde dann mittelfristig wieder anziehen und gewinnen würde die türkische Wirtschaft.

Auch Piotr Matys, Devisenexperte der Rabobank, hält die Niedrigzins-Politik der Türkei für richtig. Höhere Zinssätze würden ausländische Spekulanten anlocken, deren Kapitalströme wären jedoch schwer zu steuern und jedes Ungleichgewicht würde ein Risiko für die Finanzstabilität bedeuten. Laut  Matys, der in Market Watch zitiert wird, war das in der Vergangenheit ein Problem in der Türkei: "Dies war in der Vergangenheit ein großes Problem für die Türkei. Nach der Finanzkrise 2008 und den darauf folgenden massiven geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen lockten die vergleichsweise hohen Zinsen der Türkei eine Welle von Spekulanten in die Lira. Die Währung verstärkte sich schlagartig und hinterließ eine destabilisierende Inflation, als die Gewinne abnahmen.”

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C

der türkischen wirtschaft geht es nicht gut. seit jahren hat die türkei ein handelsbilanzdefizit, es wird fast doppelt so viel importiert wie exportiert. exportmeister sind automobile, die wiederum den ausländern gehören. die industrie hat sich kaum entwickelt, vor allem gibt es kaum hochtechnologie. im gegensatz zu ländern wie brasilien, russland oder iran hat die türkei auch keine rohstoffe.

 angesichts der steigenden schulden ist es also völlig normal, dass spekulanten gegen die türkische lira wetten. so ist die finanzwelt. erdogan spinnt, wenn er von einer zinslobby redet. vor allem war er es selber, der ausschreibungen mit dem dollar abgewickelt hat. glaubt er wirklich, die leute würden einfach so geld verbraten, weil sie spass daran haben die lira zu stürzen? 

andere können nichts dafür, wenn die politiker zu dumm sind. der binali yildirim, der im artikel erwähnt wird, weiss nicht einmal wie man "öğrenci' schreibt. "g'nin şapkası var mı"? fragt er seinen minister. schaut euch das video einfach an und urteilt selber. 

https://www.youtube.com/watch?v=cbZWj8P1P3U

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Bild von Aslan

...die.Republik Türkei.

In Anbetracht der globalen Verhältnisse geht es der Türkei relativ gut, gemessen an den Möglichkeiten. Die Rahmenbedingungen in der Welt werden ökonomisch von den Industrienationen geprägt und dominiert, die in in Weltkrieg II maßgeblich involviert waren. Das ist kein Zufall.

Die türkische Regierung hat in den letzten 15 Jahren Beträchtliches und Wesentliches zur Verbesserung des Lebensstandards und auch der sozialen Entwicklung in der Türkei geleistet.

Wenn es Leute gibt, die absichtlich oder unbewusst die Wirtschaftsdaten der Türkei mit internationalen Maßstäben präsentieren, dann liegt das im Grunde an einer Realitätsverkennung.

Es ist ganz einfach: wer den Wertverlust einer türkischen Lira gegenüber dem US Dollar als Index für Wirtschaftlichkeit heranzieht, sollte bitte auch berücksichtigen, dass die USA seit ca. 15 Jahren Unmengen von Rohöl mit einem Marktwert von x-Trilliarden Dollar zu einem "Spottpreis" aus Mesopotamien abpumpen und damit der Amerikanischen Volkswirtschaft zuführen...weiss Bescheid ;)

Und was die Klugscheißer abgeht, einige fallen besonders durch andauernde Pseudokritik an der Türkischen Regierung auf, euer Gelerntes Gellule könnt ihr Zuhause verklären.

Ist ja nicht so, dass jemand von denen eine ketCHuP-Fabrik erfunden hätte, Fetö Rohstoffe in die Türkei betet oder PKK-Penner Tunnel zur Förderung und Deponierung von Bodenschätzen anlegen.

Was in der Türkei zählt ist Realwirtschaft und damit kennt sich die Regierung glücklicherweise nicht nur aus, sondern sie kümmert sich auch um den türkischen Staatsbürger/in.

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C

Jedes Land hat sich entwickelt. man tut ja so als ob die welt stillsteht und nur die türkei sich in den 16 jahren entwickelt hat. man schaue sich einfach an wie die entwicklung das leben geprägt hat. wir haben die tür zum technologiezeitalter geöffnet, die ganze welt ändert sich. die frage ist, ob alle darauf vorbereitet sind und dafür etwas tun. schaut man sich die regierung in der türkei an, so kann man das nicht behaupten. es gibt mehr moscheen als schulen. und die bauen immer mehr moscheen und religionsschulen. schon heute sind millionen absolventen der imam hatip schulen arbeitslos, und sie schneiden bildungstechnisch am schlechtesten ab. 

im übrigen sagt deine wortwahl mehr über dich aus als du über andere sagen willst. klugscheisser, pseudokritik? was fetö betrifft, so findet man die meisten fetö anhänger in der regierungspartei. die haben einfach nur die seite gewechselt. 

"Wenn es Leute gibt, die absichtlich oder unbewusst die Wirtschaftsdaten der Türkei mit internationalen Maßstäben präsentieren, dann liegt das im Grunde an einer Realitätsverleihung."

allein dieser satz zeigt, dass du blind versuchtst etwas zu verteidigen ohne überhaupt nachzudenken. null inhalt, null kausalität, null sinn. 

 

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Bild von Aslan

...ist sowieso ganz klar.

Und schon mit dem Hasen in Wunderland darüber Rücksprache gehalten, Alice?!

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