Olivenöl - Das flüssige Gold

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Olivenöl - Das flüssige Gold

22. Oktober 2016 - 15:03
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Bereits mit der Frühernte waren die Olivenbauern dieses Jahr nicht zufrieden, auch wenn der Literpreis für das flüssige Gold seither beständig gestiegen ist. Warme Wintermonate und Regen im Frühjahr minderten den Ertrag. Zusätzlich kämpften die Bauern mit Bakterien- oder Insektenbefall ihrer Olivenbäume oder deren Früchte. Das hat sich auch auf die Nachernte ausgewirkt. Dem weiteren Anbau von Olivenhainen tat es aber keinen Abbruch getan.

Olivenöl - Das flüssige Gold

Balikesir / TP - Das Olivenöl wird teurer. Wetterkapriolen haben nicht nur in der Türkei, sondern auch in Spanien, Italien und Griechenland die Olivenernte gering ausfallen lassen. Entsprechend ziehen die Preise wieder mit an. Inzwischen kostet ein Liter kaltgepresstes Olivenöl in Europa knapp über 7,- €, in der Türkei liegt es wieder auf dem Vorjahresniveau auf über 19,- türkischen Lira. 

Höhere Preise führen aber auch dazu, dass der Anreiz zum Betrug stark zunimmt. Inzwischen warnen nicht nur kleine und mittelständische Olivenöl-Produzenten in der Türkei vor gepanschtem Olivenöl, sondern auch türkische staatliche Landwirtschaftsbehörden, die sich ausschließlich mit Oliven beschäftigen. Sie warnen vor dem Erwerb von angeblich kaltgepresstem Olivenöl, sogar als Frühernte angepriesen, die oftmals von augenscheinlich älteren Frauen in traditioneller Kleidung auf Märkten und Dörfern angeboten werden. Meist würden diese sebst ihr Öl von Zwischenhändlern einkaufen, die mit billigen Pfanzenöl oder heiß gepresstem Olivenöl gemischt wären und nur geringfügig günstiger seien. Den Reibach machen dabei die Zwischenhändler selbst, die handelnden Frauen kassieren nur einen Bruchteil des Gewinns ein.

Experten raten daher, sich mit Olivenöl von einem Händler oder Produzenten des Vertrauens einzudecken. Die oftmals angepriesene Frühernte, also die erste Ernte des Jahres und deren Olivenöl ist schwer erhältlich und nur auf Anfrage bei Händlern und Produzenten zu bekommen. Meist aber wird das Olivenöl aus der ersten Frühernte von den Olivenhain-Besitzern selbst konsumiert und nur ein geringer Teil kommt überhaupt auf den Markt. Die ist aber dazu bestimmt, die Nachernte qualitativ und geschmacklich aufzuwerten, in dem man es zumischt, so ein Landwirtschaftsingenieur einer staatlichen Beratungsstelle an der türkischen Ägäis. Nur wenige Produzenten bieten das Endprodukt der Frühernte auch tatsächlich an.

Um auf dem heimischen Markt konkurrenzfähig zu bleiben, gehen kleine und mittelständische türkische Olivenöl-Produzenten ungewöhnliche Wege. Manche Olivenöl-Produzenten gehen mit Restaurants in der Region einen Deal ein, verkaufen ihr Öl zu günstigen Konditionen an den Restaurantbetreiber, der diese bei der Zubereitung verwendet und wollen im Gegenzug, dass das Restaurant ihren Kunden kleine Probefläschchen ihres verwendeten Olivenöls kostenlos anbieten. Andere widerum eröffnen nach Möglichkeit kleine Shops in Städten, die von heimischen wie ausländischen Touristen rege besucht werden. So wird versucht, den eigenen Markennamen zu etablieren.

Auf dem Weltmarkt spielt die Türkei jedenfalls eine kleine Rolle. Unter den weltgrößten Olivenpoduzenten steht die Türkei auf Rang 5. Der größte Produzent, Spanien, hatte im Jahr 2013 1,1 Millionen Tonnen Oliven geerntet, während die Türkei nur ein fünftel davon an Ertrag vorweisen konnte. Italien produziert selbst zwar nur rund 400.000 Tonnen Oliven, dafür kauft sie aber Olivenöl u.a. von Spanien, der Türkei oder Tunesien auf und deklariert sie meist als eigenes Öl, um es auf den europäischen Markt zu bringen. Die Türkei hat es aufgrund der Einfuhrbestimmungen und zusätzlichen Umkosten schwer, sich auf dem europäischen Markt zu behaupten. Daher hat man es sich zum Ziel gemacht, den heimischen Verbrauch an hochwertigen Oliven und Olivenöl anzukurbeln.

Verbraucher haben es daher immer schwerer, richtig gutes Olivenöl zu finden. Sofern man die Möglichkeit hat, geht man zu einem Händler oder Produzenten des Vertrauens. Dieser liefert zumeist ein Olivenöl, die aus dem kaltgepresstem Ertrag eines Olivenhains oder der Region stammt. Die Pressung sollte kalt (nicht über 30°) erfolgen, kann maschinell aber nicht mit Trenn- oder Zusatzstoffen erfolgen. Olivenöl hat je nach Region ein individuelles chrakterisches Aroma und einen unterschiedlichen Säuregehalt. Während das Aroma Geschmackssache ist, sollte der Säuregehalt so niedrig wie möglich sein. 

Bestes Olivenöl hat einen Säuregehalt von 0,2 bis 0,4. Je geringer der Säuregehalt des Öls, desto schonender und schneller wurde die Ernte eingesammelt und gepresst, ehe das Fruchtfleisch anfängt zu oxidieren. Es kann auch Auskunft darüber geben, ob die Olivenernte kalt- oder warmgepresst worden ist, denn je niedriger der Säuregehalt, desto eher kann man davon ausgehen, dass das Öl schonend kaltgepresst wurde. Ein niedriger Säuregehalt macht sich im Gaumen und beim schlucken bemerkbar. Ein Olivenöl das im Abgang leicht nach-"brennt", hat einen noch hohen Gehalt an Antioxidantien, die auf eine kürzlich erfolgte Ernte und Pressung hindeuten, es besagt aber nichts über den Säuregrad. Eine leichte herbe Note ist im Olivenöl aufgrund ihrer Beschaffenheit naturgemäß immer wahrzunehmen und besagt nichts über die Qualität. Muffig oder gar schimmlig darf Olivenöl nicht riechen, denn das kann darauf hindeuten, dass die Ernte lange gelagert wurde, ehe es in die Pressung kam. Ebenfalls deutet es darauf hin, dass die Früchte nicht zum Zeitpunkt des richtigen Reifegrades geerntet wurden.

Einmal eingekauft sollte Olivenöl wenn möglich vor Wärme, Licht und Luft geschützt werden. Bewehrt haben sich glasierte Tonkrüge oder dunkel gefärbte Flaschen, die kein Licht durchlassen und bei richtigem Verschluss, der Inhalt nicht "atmen" kann. Olivenöl das mit Luft in Kontakt kommt, oxidiert mit der Zeit, die Inhaltsstoffe wie wichtige Antioxidantien gehen dabei verloren. Ausserdem nimmt es den Geruch der Umgebung auf, was das Aroma des Olivenöls beeinträchtigen kann. Am besten entnimmt man bei größeren Gebinden nur soviel wie man benötigt und lagert es licht- und wärmegeschützt.